Wahrnehmung von Klang und Raum

Wie Kontext und Bild unser Hören beeinflussen

Wie nehmen wir Klang eigentlich wahr? Ist das, was wir hören, objektiv – oder wird es durch Kontext und visuelle Eindrücke mitgeformt?
Diese Fragen beschäftigen mich in meiner künstlerischen Arbeit: die Beziehung zwischen Klang, Raum und Wahrnehmung. Dabei spielt auch eine Rolle, welche Texturen und Strukturen in einer Komposition oder Aufnahme die Hör-Wahrnehmung beeinflussen. Wie verändern sich tatsächliche Klänge und Aufnahmen, wenn sie kombiniert und verändert werden und dadurch in einem anderen Kontext erscheinen? Wodurch geben wir einem Klang oder Geräusch Sinn und eine Bedeutung?

Wahrnehmung von Klang und Raum

Nach dem letzten Projekt habe ich beschlossen, mich noch intensiver mit EQ und anderen Techniken zu beschäftigen – und finde dabei gleichzeitig die Arbeit mit der Wirkung von Raum und Texturen wieder sehr spannend.

Kontext als unsichtbarer Rahmen

Klang existiert nie isoliert. Unser Gehirn ordnet Geräusche ständig ein – basierend auf:

  • Erfahrung
  • Umgebung
  • Erwartung

Der Kontext bestimmt maßgeblich, wie wir Klang interpretieren. Ein identischer Sound, Klang oder ein Geräusch kann je nach Situation oder Kombination völlig unterschiedlich wahrgenommen werden.

Zwar verzichte ich diesmal bewusst darauf, offen zu legen, was genau zu hören ist und welche Absichten und Intentionen ich verfolge. Gleichzeitig bin ich mir der Auswirkung des Bildes / Cover Artwork und des Titels sehr bewusst.

Klang und Raum

Ein Raum ist nicht nur physisch, sondern auch ein durch die Sinne wahrgenommenes zum Beispiel akustisches und subjektives Konstrukt. Wir als wahrnehmende innerhalb eines Raumes spielen dabei ebenfalls eine Rolle. Können wir uns und unseren Körper innerhalb dieses Raumes einordnen? 

  • Wie weit entfernt wirkt ein Klang?
  • Ist er real oder künstlich erzeugt? Und wie können wir das mit Sicherheit einschätzen?
  • Gehört der Klang zur Umgebung oder steht er im Kontrast dazu?

Diese Einschätzungen entstehen nicht nur durch das Hören selbst, sondern auch durch Informationen, Wissen und durch das Zusammenspiel mehrerer Sinneseindrücke.

Der Einfluss des Sehens

Visuelle Informationen verändern unser Hören stärker, als uns bewusst ist.

Ein Bild kann:

  • Klangquellen definieren
  • Erwartungen erzeugen
  • Bedeutungen verschieben

Wir hören nicht nur mit den Ohren – wir hören im Kontext dessen, was wir sehen.

Lost Places. Lost Atmosphere. In The Woods
Susanne Wagner
November Snow Music Susanne Wagner Gerda Margo

Wahrnehmung als Konstruktion?

Hören wir tatsächlich, was da ist – oder das, was wir glauben zu hören?

Wir kennen ja alle die verschiedenen Experimente zum Beispiel mit Lückentexten oder unvollständigen Bildern, in denen unser Gehirn zu unserem Erstaunen und ohne unsere Anstrengung wie von allein das Fehlende ergänzt. 

Mit dem Hören ist es ganz ähnlich. Grenzen verschwimmen, Wahrnehmung ist subjektiv und beeinflussbar.

Und durch die bewusste Kombination und Verschiebung von Klang, Raum und Bild können auch Momente der Irritation entstehen. Diese öffnen einen Raum für eine erweiterte Wahrnehmung. 

Mir passiert es oft, dass ich bei längerer intensiver Arbeit mit Klängen erst wieder ins Hier und Jetzt, in diesen tatsächlichen Raum und die Realität zurück finden muss. Das kennt jeder Mensch während oder nach der Erfahrung von Flow, bei Konzert- Erlebnissen oder besonderen Filmen.

ALSO : Was hörst Du?

P.S.: Bitte gute Stereo Kopfhörer

Was hörst du wirklich?

Woher weißt Du das?

Wie nimmst Du dich selbst dabei wahr?

Und wo im Raum nimmst du dich und das wahr, was du hörst?

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