Finale beim Filmmusik & Sounddesign Wettbewerb des Kurzsuechtig Kurzfilm Festivals

Vor kurzem wurde ich mit meinem Beitrag für das Finale im Filmmusik & Sounddesign Wettbewerb des Kurzsuechtig Kurzfilm Festivals nominiert. 

Das Kurzsuechtig Kurzfilm Festival findet seit 2004 einmal im Jahr statt – der Wettbewerb für Filmmusik & Sounddesign ist seit 2011 ein wichtiger Bestandteil. Im Zentrum des Wettbewerbes steht das musikalische Vertonen eines Filmes – das Erschaffen einer eigenen Welt aus Klängen, Musik, Sounddesign und hörbarer Atmosphäre in Verbindung mit der visuellen Ebene der Welt des Films. 

Beim Finale des Kurzsuechtig Kurzfilm Festivals im Bereich Filmmusik & Sounddesign wurden schließlich acht verschiedene von einer Jury ausgewählte Vertonungen für denselben Film gezeigt.

Das bedeutet: Acht unterschiedliche musikalische Perspektiven auf identisches Bildmaterial. 

Der Film bekommt für das Publikum also mit jeder Vertonung andere Facetten, Schwerpunkte oder Wahrnehmungsebenen.

Finale beim Filmmusik & Sounddesign Wettbewerb des Kurzsuechtig Kurzfilm Festivals

Klangansatz und künstlerische Entscheidung

Mein Zugang zu diesem Film war bewusst nicht humoristisch oder kommentierend, sondern orientiert an Feinheiten der Emotionen und Widersprüche und an der klar definierten Vorgabe “Stop Motion Musical” .

Ich habe mich entschieden für:

  • eine eher dunklere, mystische Grundstimmung
  • eine Verbindung aus dem weichen, warmen, hölzernen und gleichzeitig schillernd- feinen, fragilen hohen Klang des Piccolo, elektronischen Texturen und Sounddesign
  • eine musikalische Entwicklung, die eher trägt als illustriert

Meine Entscheidung war, nicht auf jede sichtbare Aktion “illustrierend” zu reagieren, sondern einen übergeordneten musikalischen Rahmen zu schaffen und eine zusätzliche emotionale Ebene voller Widersprüche zu öffnen, die unter der Oberfläche mitläuft.

Meine Arbeitsweise

Wenn Dich interessiert, wie ich im Detail an speziell dieses Projekt im Bereich Filmmusik, Sounddesign und Komposition heran gegangen bin, habe ich das hier ausführlicher beschrieben:

ZUM BEITRAG

Wahrnehmung im Kino- Kontext

Die eigene Musik endlich im großen Kino zu hören – im direkten Zusammenspiel mit Bild und Raum, riesiger Leinwand und Publikum – ist selbstverständlich eine völlig andere Erfahrung als im eigenen kleinen Studio. Aufregend beim ersten Mal!

Wie alle anderen war ich sehr  aufgeregt – wir arbeiten mit sehr klaren Vorstellungnen und Erwartungen an einer Komposition und Musikproduktion – und  machen gleich die Erfahrung, ob und in welchem Maße sich unsere Absichten, Vorstellungen und die Arbeit gleich in der tatsächlichen Kino- Vorführung bewahrheiten! Bestimmte Details treten anders hervor, Dynamiken wirken stärker oder auch zurückgenommener.

Vor allem im direkten Vergleich mit den musikalischen, künstlerischen und dramaturgischen Entscheidungen anderer wird deutlich, wie stark Musik die Wahrnehmung eines Films tatsächlich verändert.

Feedback und unterschiedliche Perspektiven

Was ich in diesem Zusammenhang besonders interessant fand:

  1. wie unterschiedlich Bildmaterial gedeutet und wahrgenommen werden kann  
  2. wie unterschiedlich musikalische Entscheidungen und “musikalisch- künstlerischer Geschmack” sind
  3. wie unterschiedlich Ansprüche und Kriterien sind je nachdem, aus welcher Branche / Richtung (Musiker, Musikproduktion, Komposition oder eben aus der Filmbranche)
  4. wie unterschiedlich dieselbe Arbeit wahrgenommen und bewertet wird.

Aus meiner Producer-Community kamen vor allem Rückmeldungen zu:

  • wie gut die Musik Stimmung und Bedeutung des Filmes heraus arbeitet
  • atmosphärische Dichte und Feinheiten in den Texturen
  • der Verbindung von Klang und Bild
  • den vielen kleinen Details im Sounddesign
  • und der emotionalen Wirkung der Musik

Einige beschrieben, dass sie durch die Musik stärker in die Geschichte hineingezogen wurden oder sich die Bedeutung des Films erst darüber erschlossen hat.

Jury-Feedback: konkrete Hinweise aus der Praxis

Im Nachhinein habe ich auch das Feedback der Jury mit folgendem Fokus erhalten : 

  • Dramaturgie & Spotting
  • Variation in Motiven und Entwicklung
  • stärkeres Reagieren auf einzelne Aktionen im Bild
  • gezieltere Akzente bei bestimmten Ereignissen
  • häufigere Wechsel und entsprechend kürzere Abschnitte der Musik
  • punktuell eine differenziertere Ausarbeitung einzelner Sounds

Gleichzeitig wurden auch Aspekte wie Produktionsqualität und die Kombination aus elektronischen und instrumentalen Elementen hervorgehoben.

Für mich war das vor allem deshalb wertvoll, weil es eine andere Perspektive auf dieselbe Arbeit sichtbar macht. Interessant war dabei übrigens auch, wie unterschiedlich einzelne Jury Mitglieder arbeiten : es gab sehr differenziertes, konstruktives und damit sehr wertvolles Feedback mit spezifischen Verbesserungsvorschlägen – und es gab von anderen “Wertungen” mit subjektiven Vorlieben oder zum Beispiel mit Punkten in bestimmten “Kriterien” und anschließend einer Gesamtpunktzahl. 

So unterschiedlich. Und für mich bereichernd in dem, was ich alles noch mit einbeziehen kann!

Austausch und Einblicke in die Branche

Neben dem Wettbewerb selbst war auch der Austausch vor Ort ein wichtiger Teil der Erfahrung. Zuerst die klare Aufteilung in Musikschaffende und Filmschaffende durch die Veranstalter – und schließlich das geführte “so, und jetzt mal bitte miteinander in Kommunikation treten” war anfangs etwas ungewohnt, aber ich stimme einer der Filmschaffenden zu, dass wir “wie aus anderen Welten kommen”, also wirklich erstmal recht unterschiedlich sind und ein anderes Vokabular haben. 

Das Erkennen gemeinsamer Werte und Ausdrücke und das gegenseitige Nachempfinden und damit das jeweilige Erweitern der eigenen Welt ist spannend und lehrreich für Beide.

Die Menschen “im Hintergrund”

Besonders war für mich auch der Umgang mit uns Wettbewerbs- Teilnehmern und Teilnehmerinnen. Es gibt so viele Menschen, die die Organisation, wertschätzende Kommunikation und Informationen und die kleinen Details solcher Events im Blick behalten. Das habe ich hier als sehr einfühlsam und wertschätzend erlebt und sehr gemocht.

Inspiration

Besonders inspirierend und bereichernd war ein Workshop von Freya Arde, die sehr konkret Einblicke in ihre Arbeit für den Dokumentarfilm „Riefenstahl“ (2024, Sandra Maischberger, Andres Veiel) über das  Leben und den Nachlass der kritisch und kontrovers beleuchteten NS-Propaganda Regisseurin Leni Riefenstahl gegeben hat.

Die Einblicke in ihre realen Arbeits- und Denkprozesse, innere Konflikte und deren Darstellung, Umsetzung und weitere Überlegungen, kreative Vorgehensweisen sowie das konkrete Projekt in ihrer DAW und schließlich auch “Wahrheiten über die Branche” waren wirklich sehr inspirierend und bereichernd! Das wird mich noch eine Weile nähren, der Soundtrack ist nun Bestandteil meiner Tidal Playlist und ebenfalls eine Inspiration. DANKE dafür!

Erfahrung und Entwicklungsmöglichkeiten

Das tatsächliche Umsetzen und meine Arbeit professioneller Kritik auszusetzen,  schafft mehr Bewusstsein für mögliche blinde Flecken bzw Prägung durch klassische Orchestermusik, unterschiedliche Perspektiven, Gemeinsamkeiten und damit Collaborations- , Arbeits- , Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten.

Die Erfahrung mit dem Wettbewerb und dem Filmmusik Festival hat meinen Blick auf Filmmusik nochmals anders geschärft:

  • wie unterschiedlich Musik im Kontext von Bild funktionieren kann
  • die Rollen verschiedener Kontexte, Ansprüche und Wahrnehmungen
  • Bedeutung der Balance zwischen Atmosphäre und Synchronität
  • und wie viele Entscheidungen auf sehr feiner Ebene getroffen werden

Gleichzeitig bestätigt es meinen eigenen Zugang, mit Klang, Textur und musikalischer Entwicklung zu arbeiten – und diesen Ansatz gezielt weiter auszubauen.

Zusammenarbeit

Ich möchte künftig noch mehr im Bereich Filmmusik und Sounddesign für Kurzfilm und andere Medienformate arbeiten und freue mich auf inspirierende Projekte.

Wenn du an meiner Arbeit oder an einer Zusammenarbeit, gemeinsamen Projekten und Musik für Dich und Dein Projekt interessiert bist, melde Dich gern bei mir. Gern schicke ich Dir Arbeitsproben zu – ich bin sehr interessiert an Kollaboration für vielschichtige, tiefgründige Projekte.

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